Wolfgang Melzer

Rednerladen

Neu aufgelegt zum volkstümlichen Preis: 

Wolfgang Melzer


Altes Begehren

Lebensgeschichten über kurz oder lang


BoD - Books on Demand Norderstedt 2015

224 Seiten, Paperback

7,99 Euro

ISBN 978-3-7347-4680-2

 

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 Der Versicherungsvertreter, der mit Unkrautvernichtung seine Krisen überwindet; Freunde, die sich durch nichts, aber auch gar nichts irritieren lassen; die Oma, die sich nicht schont; der lüsterne Zwerg, der alles ausprobiert.

Die Helden der Geschichten sind alt oder versoffen, endlich am Ziel oder im falschen Film. Sie tun ihr Bestes oder was sie dafür halten - und sie schaffen es beinahe.


"Die Geschichten sind mal fein ironisch, mal psychologisch, mitfühlend, auch bitterböse, oft doppelbödig. ... Verrückte Situationen, skurrile Bilder, die dem Leser mehr als nur ein Schmunzeln entlocken, um dann doch mit einem Schlag in den Magen zu enden."
                                                                                    Sächsische Zeitung


Leseprobe

Altes Begehren

An diesem späten Septembertag begann für K. der Abend schon am Mittag. Als erstes heizte er das Schlafzimmer. Normalerweise tat er das nur im tiefsten und frostigsten Winter. Deshalb wusste er nicht, wie er die Heizung an diesem milden Spätsommertag einstellen musste. Einerseits sollte man nicht frieren, wenn man sich unbekleidet im Zimmer aufhielt, andererseits wollte er auch gut schlafen können, ohne ständig in Schweiß auszubrechen. Er drehte den Regler probeweise auf einen knapp mittleren Wert und hoffte, das Resultat noch korrigieren zu können, bevor er aus dem Haus musste. Bis dahin waren zwar noch vier Stunden Zeit, aber die Fußbodenheizung reagierte sehr träge und er wollte sicher gehen. Er erwog, das Bett frisch zu beziehen, ließ es aber bleiben. Erstens war nicht sicher, dass Sabine heute Nacht wirklich hierher käme und zweitens könnte zu viel Vorbereitung leicht die Täuschung stören, es habe keinen Plan gegeben, sondern es sei einfach so passiert. Diese Illusion aber schien ihm wichtig zu sein, wahrscheinlich sogar nötig. Sie war Teil des Spiels. Also schüttelte er das Bett nur auf und zog es glatt. Dann stellte er sich in den Türrahmen des Schlafzimmers und bemühte sich, das Zimmer mit ihren Augen zu sehen. War es adrett genug? War es zu perfekt? Aus der Küche holte er den Blumentopf mit der roten Azalee und stellte ihn auf den kleinen Schreibtisch am Fenster. Jetzt war er zufrieden.

Mit der gleichen Sorgfalt begann er, sich selbst zurecht zu machen. Er hatte immer noch viel Zeit und die wenigen eitlen Handgriffe, die er kannte, um sich ansehnlich zu machen ließen viel Raum für Tagträumereien. Die nahmen über kurz wieder die Bahn, die sie schon in den letzten Tagen immer wieder gegangen waren. Ein ums andere Mal spielte er alle denkbaren und auch alle ersehnten Szenarien durch. Er wollte gewappnet sein und sich den Abend nicht durch dumme Ungeschicklichkeiten verderben. Um sich Mut zu machen, rief er sich immer wieder die Anzeichen ins Gedächtnis, die ihm sagten, er hätte verstanden, was sie wollte.

Vor einigen Jahren ...